Gemeinderat Rudi Kaske: „Eine zwischenbetriebliche Lehrlingsausbildung in der Friseurbranche ist das Gebot der Stunde!“

 

„Es gehen die Wogen hoch“ – die stellvertretende Wiener Innungsmeisterin der Friseure, Gülten Karagöz, sieht in der Branche großen Unmut über die geltende Corona-Rechtslage, wie sie im Gespräch mit der APA berichtete. Sie bekrittelte etwa die ihrer Ansicht nach zum Teil unklaren Vorgaben bei den Eintrittstests, die Ungleichbehandlung in Sachen Hausbesuche und finanzielle Belastungen. Tests, so forderte sie, sollten auch in den Salons gemacht werden dürfen.

 

Laut Karagöz bereitet die Testpflicht sowohl Kunden als auch den Betrieben teils massive Probleme. Es komme nicht selten vor, dass jemand einen Termin beim Friseur reserviere, dann aber keinen Termin in einer Teststraße oder Apotheke mehr erhalte. „Dann sagen sie ab.“ Völlig unverständlich sei ihren Kolleginnen und Kollegen auch, dass bei Hausbesuchen kein negativer Covid-Test vorgelegt werden müsse, versicherte sie.

 

Dazu komme die rechtliche Unsicherheit, wer dafür verantwortlich gemacht werde, wenn jemand einen gefälschten Test vorzeige. „Wer zahlt dafür die Strafe?“ Auch die Tatsache, dass ältere Schüler, die in der Schule getestet werden, trotzdem eine weitere Untersuchung absolvieren müssen, sei nicht logisch. Sie schlägt vor, dass Selbsttests auch in den Geschäften gemacht werden dürfen. „Wenn das in den Schulen funktioniert, warum nicht auch beim Friseur?“

 

Man könne Kunden ein Schnelltest-Set überreichen, das etwa in einem abgetrennten Bereich im Salon oder auch auf der Straße zu verwenden sei. Spätestens 15 Minuten später sei das Ergebnis da, betonte Karagöz: „Das wäre eine praktikable Lösung.“ Bei der jetzigen stelle sich hingegen die Frage, ob es nicht sinnvoller sei, noch länger zu schließen und die staatlichen Hilfsleistungen auszudehnen.

 

Die Branchenvertreterin warnte vor Pleiten und davor, dass viele Friseurinnen und Friseure in die Schwarzarbeit ausweichen würden. „Denn wir können unsere Dienste nicht wie der Handel im Internet anbieten.“ Schwierig sei auch die völlige Unklarheit, wie lange die aktuellen Regeln bleiben würden: „Wir schweben im Dunkeln.“

 

Als höchst problematisch ist laut Karagöz auch die Situation der Lehrlinge zu bewerten: „Denen fehlen drei Monate Ausbildungszeit.“

 

Der frühere Arbeiterkammer-Präsident und nunmehrige SPÖ-Gemeinderat Rudolf Kaske schlug im APA-Gespräch eine zwischenbetriebliche Ausbildungslösung vor, um hier gegenzusteuern. Kaske und die Branchensprecherin fordern auch eine Absenkung des Umsatzsteuersatzes für Friseurdienstleistungen sowie die Anhebung der Fördersätze für Fixkosten und Umsatzersatz.

 

Karagöz hat auch einen Offenen Brief an die Bundesregierung verfasst, in dem die Forderungen aufgelistet sind. In diesem appelliert sie, die Branche vor dem „völligen Ruin“ zu retten. Die Zeit der Öffnung zwischen den Lockdowns, so hält sie in dem Schreiben fest, sei jedenfalls zu kurz gewesen, um die notwendigen Umsätze zu erzielen.