10. Todestag von Johann Hatzl

Am Samstag, den 4. September wurde dem Sozialdemokraten Johann Hatzl mit einer Kranzniederlegung am Wiener Zentralfriedhof gedacht. Die Gedenkrede hielt Bürgermeister Michael Ludwig: „Ich habe Johann Hatzl außerordentlich geschätzt. Er war eine starke Persönlichkeit, die unsere Stadt über viele Jahre in unterschiedlichen Funktionen geprägt hat. Johann Hatzl war mir stets ein Beispiel eines überzeugten Kommunalpolitikers und Sozialdemokraten, der sich mit aller Kraft für seine Überzeugung und seine politische Haltung, vor allem aber für das Wohl der Menschen, das sein Handeln immer bestimmte, einsetzte.“

 

Hatzl war ein Mann des Dialogs

 

Aufgrund des Corona-Lockdowns wurde die Gedenkzeremonie vom Todestag am 10. April in den September verschoben. „Dennoch wollen wir diesem Wiener Ausnahmepolitiker würdig gedenken“, betont der Vorsitzende des SPÖ-Rathausklubs, Josef Taucher. Als Arbeiterkind
1942 in Wien-Favoriten geboren, gestaltete Johann Hatzl (1942-2011) die Wiener Stadtpolitik fast drei Jahrzehnte lang maßgeblich mit. Als Kommunalpolitiker in unterschiedlichen Funktionen (Simmeringer Bezirksrat, Stadtrat, SP-Rathausklubvorsitzender, Erster Landtagspräsident) übernahm der leidenschaftliche Politiker Verantwortung über die Stadt und trug zu der hohen Lebensqualität bei, die wir heute kennen: durch den Bau und die Renovierung zigtausender Wohnungen, durch den U-Bahnbau, durch die Beschleunigung des öffentlichen Verkehrs u.v.m.

Taucher erinnert sich: „Als Klubvorsitzender leistete Johann Hatzl einen bedeutenden Beitrag zur Novellierung der Stadtverfassung. Über die Parteigrenzen hinweg war er als ein ‚Mann des Dialogs‘ bekannt. Er war zu 100 Prozent authentisch und voller Hingabe für seinen Beruf, das zeichnet Hatzl als einen der bedeutendsten Sozialdemokraten aus, die ich je kennenlernen durfte. Wir werden seine Person und sein politisches Wirken immer in Erinnerung behalten.“

 

„Simmeringer Sozialdemokrat aus Leidenschaft und brillanter Stadtrat“

 

Der SPÖ-Bezirksvorsteher von Simmering, Thomas Steinhart, zu Hatzls Schaffen im Bezirk: „Johann Hatzl hat die Entwicklung seines Heimatbezirkes entscheidend geprägt. Die Verlängerung der U3 nach Simmering, zahlreiche neue Wohnbauten, Betriebsansiedelungen kommunaler Betriebe sowie die Renovierung der Karl Borromäus-Kirche auf dem Zentralfriedhof sind Beispiele seines Schaffens für den 11. Bezirk. In Würdigung seiner Leistungen wurden die Wohnhausanlage Simmeringer Hauptstraße 34-40 und der Platz vor dem 2. Tor des Zentralfriedhofes nach Johann Hatzl benannt“.

„Geradlinig, direkt & ehrlich, beharrlich, authentisch, manchmal unbequem. Johann Hatzl prägte als brillanter Stadtrat, als leidenschaftlicher Sozialdemokrat die Wiener Stadtpolitik wie auch die Sozialdemokratie. Modernisierer und Traditionalist, Ideologe und praktischer Umsetzer, Antifaschist und Sozialist – sein politisches Erbe, insbesondere bei Wohnen, Verkehr und Energie, hat Wien und Simmering bleibend geprägt“, sagt Harald Troch, Vorsitzender der SPÖ Simmering.

Der Simmeringer SP-Gemeinderat Rudi Kaske zur Person ‚Hatzl‘: „Hans (Hansi) Hatzl war jemand, der viele Eigenschaften in einer Person verkörperte. Er war authentisch mit großem Durchsetzungsvermögen. Sein Herz schlug für die Menschen seines Heimatbezirkes Simmering und der Stadt. Er war geachtet und geschätzt. Einfach eine charismatische Persönlichkeit seiner Zeit.“

 

„Herausragender Vertreter der Sozialdemokratie“

 

Auch die Simmeringer SP-Gemeinderätin Ewa Samel würdigt Hatzls Andenken: „Eine der ersten Personen, die ich am Anfang meiner politischen Tätigkeit kennenlernen durfte, war Johann Hatzl, der die Sektion 7 am Leberberg geleitet hat. Johann Hatzl war ein Ausnahmepolitiker und ein herausragender Vertreter der Sozialdemokratie. Er hat sich immer für Fortschritt und eine gerechte Gesellschaft eingesetzt. Sein Leben war von sozialdemokratischen Grundwerten geprägt. Wir werden seinem politischen Wirken und seiner Person auch weiterhin ein würdiges Andenken bewahren.“

Der Simmeringer SP-Gemeinderat Ernst Holzmann schließt: „Johann Hatzl hat sich Zeit seines Lebens für soziale Gerechtigkeit eingesetzt, er war ein großer Mann für Wien, ein großer Mann für Simmering und auch mein persönlicher Mentor. Im Oktober 2008 durfte ich ihm auf das Simmeringer Mandat im Wiener Rathaus nachfolgen. Er war stets bodenständig und lenkte als Vorsitzender der SPÖ-Simmering über 30 Jahre die Geschicke des Bezirkes. Sein Tod war ein großer Verlust für uns alle, sein Rat und seine menschliche Expertise wären auch heute noch hilfreich.“

 

Politische Laufbahn begann in Simmering

 

Hatzl begann seine politische Karriere in seinem Heimatbezirk Simmering über die Sozialistische Jugend, wurde dann Bezirksrat und Bezirksparteivorsitzender. Rasch folgten wichtige Ämter im Bund und der Stadt Wien. 1976-1979 war er Abgeordneter zum Nationalrat für die SPÖ. Danach wechselte er in die Wiener Landesregierung. Zunächst war er amtsführender Stadtrat für Wohnen und Stadterneuerung, danach Amtsführender Stadtrat für Verkehr und Energie und später Amtsführender Stadtrat für Bürgerdienst, Inneres und Personal. 1996 wechselte Johann Hatzl von der Stadtregierung wieder in den Landtag und Gemeinderat und führte bis 2001 den Klubvorsitz der SPÖ Landtags- und Gemeinderatsfraktion und war ab 2001 Erster Präsident des Wiener Landtags. Innerhalb der SPÖ war Hatzl Mitglied des SPÖ-Bundesparteivorstands und Stellvertretender Landesparteivorsitzender der SPÖ Wien. Hatzl schied am 29. Oktober 2008 aus dem Landtag und Gemeinderat aus und zog sich in den Ruhestand zurück.